Unser Empfehlungskatalog

All unsere Lieblingsbücher aus diesem Jahr. Viel Vergnügen beim Stöbern!


Das Buch zur Jahreszeit

Philipp Buir empfiehlt

Das Wintertagebuch von Nigel Slater

Kennen Sie diese Bücher, die Sie nur ansehen müssen und bei denen Sie sofort wissen, dass es einer Ihrer Lieblinge wird? Mir ging es so mit  Nigel Slaters neuestem Werk, dem Wintertagebuch. Irgendetwas daran hatte es mir angetan, und als ich die Plastikfolie entfernt, und das Buch aufgeschlagen hatte, war ich auch schon verloren. Denn dieses Meisterwerk fühlt sich nicht nur sehr schön an, es ist zudem nichts anderes als das schönste Loblied auf den Winter, von dem je gehört habe.

Die kalten Wintermonate sind Nigel Slaters liebste Zeit im Jahr und das merkt man auf jeder einzelnen Seite. Hier wird der Winter zelebriert, mit allem, was dazu gehört. Das Buch lädt ein zu einem Spaziergang durch eine verschneite Landschaft, in der es viel zu entdecken gibt. Und sobald wir wieder zu Hause angekommen sind, wird uns ein heißes Getränk gereicht, an dem wir unsere Finger und Herzen wärmen können. So fühlt es sich zumindest an, wenn man es liest.

Auch wenn Nigel Slater ein berühmter Koch ist, so ist das Wintertagebuch doch viel mehr als ein gewöhhnliches Kochbuch: Der Leser wird an die Hand genommen und mithilfe von kleinen Anekdoten aus Slaters Leben, Informationen und wunderbaren Rezepten durch den Winter geführt. Und zwar einen richtigen Winter; einen, wie man ihn sich wünscht: Mit Eiszapfen, die an Regenrinnen hängen, Schnee der alles bedeckt und unsere Häuser und Straßen in eine lautlose Szenerie wie aus einem Wintermärchen verwandelt.

Von den perfekten Plätzchen, über den Kauf des idealen Weihnachtsbaums bis hin zu einem wahren Festmahl an Heiligabend bietet dieses Buch einfach alles, was man sich wünschen kann, wenn es um die kalten Monate geht. Und noch so viel mehr.

Selbst der größte Wintermuffel wird nicht anders können, als die ganz eigene Magie dieser Jahreszeit zu erkennen, nachdem er dieses Buch gelesen hat. Für alle, die davon lange nicht mehr überzeugt werden müssen, ist das Wintertagebuch die perfekte Lektüre.



Ein Buch wie eine Netflix-Serie

Philipp Buir empfiehlt

Matt Ruff - Lovecraft Country
Hanser Verlag, 24,-€

Die USA in den 1950er Jahren. Atticus Turner, ein schwarzer Veteran des Koreakrieges, hat ein Faible für Horrorgeschichten. Vor allem H.P. Lovecraft mit seinen Erzählungen vom Übernatürlichen, das der menschliche Verstand nicht zu fassen vermag, hat es ihm angetan. Doch bei seiner Heimkehr erfährt Atticus, dass sein Vater Montrose Turner zusammen mit einem wohlhabenden Weißen verschwunden ist. Die Leute erzählen, dass Montrose ein altes Familiengeheimnis lüften wollte. Obwohl sein Vater ihm immer mehr Sorgen als Freude bereitet hat, beschließt Atticus die Vergangenheit hinter sich zu lassen und macht sich auf die Suche.

Zusammen mit seinem Onkel und einer alten Freundin folgt er der Spur seines Vaters nach Neuengland, den Geburtsort  H.P. Lovecrafts und gleichzeitig der Ort mit den schärfsten Rassengesetzen in den USA. Kurz bevor sie an Ihrem Ziel ankommen, machen Atticus und seine Begleiter allerdings Bekanntschaft mit dem allgegenwärtigen Rassismus im sogenannten Lovecraft Country. Von einem Sheriff und dessen Deputys des Diebstahls beschuldigt, können sie sich gerade noch vor einer Hinrichtung mitten im

dunklen Wald retten.
Kurz darauf stößt Atticus in Ardham auf das Anwesen, in dem sich sein Vater aufhalten soll. Dieser ist allerdings momentan noch mit dem Hausherren unterwegs, und so müssen die Gefährten sich mit den Bewohnern des kleinen Städtchens herumschlagen, die scheinbar etwas zu verbergen habe. Als Montrose endlich auftaucht hat er eine eine böse Überraschung im Gepäck: Atticus Großvater, über den in der Familie nicht geredet wurde, soll nicht nur weiß gewesen sein, sondern auch eine zentrale Rolle in einem Geheimbund gespielt haben, der angeblich die heimliche Kontrolle über die Stadt hat...

Matt Ruff schafft es mit seinen Worten ein realistisches Bild der USA in den 50er Jahren zu malen - mit allen heftigen Details. Und dennoch scheint sich immer wieder der Geist H.P. Lovecrafts zwischen die Zeilen dieses Buches zu schleichen, denn oft hat man als Leser das Gefühl einem Horror auf die Schliche zu kommen, den unser Verstand eventuell nicht zu fassen vermag.
Ich persönlich könnte nicht glücklicher über diesen kleinen Tribut sein. Lesen Sie unbedingt den neuen Matt Ruff. Sie werden es nicht bereuen.

Vielschichtig und voller Überraschungen

Simone Klibingat empfiehlt

Gail Honeyman- Ich, Eleanor Oliphant

Lübbe, 11,-€

Miss Eleanor Oliphant ist einsam. Damit hat sie sich arrangiert. Sie lebt in einer kleinen Sozialwohnung und arbeitet als Buchhalterin in einer Werbeagentur. 

Ihre Tage sehen immer gleich aus. Sie geht zur Arbeit, abends liest sie ein Buch oder sieht fern und jeden Freitag kauft sie sich eine Flasche Wein und zwei Flaschen Wodka, die sie übers Wochenende trinkt. Immer so viel, dass sie nicht betrunken, aber auch nicht nüchtern ist.

Dann verliebt sie sich in einen Musiker. Sie kennt ihn nicht; sieht ihn nur auf der Bühne, aber sofort weiß sie, dass er der Richtige für sie ist und sie beschließt am Leben teilzunehmen. 


Wir begleiten Eleanor dabei wie sie sich einen Twitter-Account zulegt, in einem Kaufhaus neu einkleiden lässt und schminken lässt, wie sie Stück für Stück aus ihrem Schneckenhaus rauskommt. Das ist nicht einfach, denn mit ihr in diesem Schneckenhaus ist eine Erinnerung an ihre Kindheit. So schrecklich, dass sie gar nicht wissen will worin diese Erinnerung besteht. Sie weiß nur dass sie da ist, versteckt – selbst die Sozialarbeiterin darf nicht darüber reden.
Was als witzige Geschichte mit einer Art weiblichen Sheldon Cooper beginnt, entpuppt sich schnell als vielschichtiges Drama voller Komik. Ich habe selten in einem Buch kurz hintereinander so viel gelacht und so viel geweint. Keine Geschichte hat mich in diesem Jahr so berührt wie die von Eleanor Oliphant und am Ende war ich sogar etwas wehmütig, dass das Buch schon zu Ende ist.
Unbedingt lesenswert.

Wenn alles niederbrennt

Dennis Witton empfiehlt

Celeste Ng - Kleine Feuer überall

dtv, 22,,-€

Willkommen in Shaker Heights,einem wohlhabenden Vorort von Cleveland. Das Leben ist hier in vielen Bereichen geregelt und die Menschen halten sich an Recht und Ordnung. Shaker Heights ist Utopia und totale Kontrolle zugleich. In dieser Stadt lebt Familie Richardson. Die Mutter ist Journalistin, der Vater Rechtsanwalt. Die vier Kinder sind wohlgeraten - bis auf eine Ausnahme. Izzy will sich nicht anpassen und rebelliert gegen sämtliche Vorschriften und Regeln. Als dann noch die alleinerziehende Mia mit ihrer Tochter Pearl in den Ort ziehen, drohen die Grundfeste beider Familien zu zerbrechen. 

Celeste Ng schreibt unaufgeregt und leise von den kleinen und großen Geheimnissen, die wir voreinander verbergen und von dem Unheil, das die Wahrheit manchmal anrichten kann. Es geht um das Vorstadtidyll mit all seinen glänzenden Fassaden und den versteckten Rissen. Ein starker Roman, der den Leser tief in die Seelen seiner Protagonisten und des Amerikas der 90er Jahre blicken lässt.


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