Anders als erwartet

Oder: Was Corona uns geschenkt hat.

 

Es war der 17. März 2020 um 22:37 Uhr, als wir erfuhren, dass wir unsere Buchhandlung am nächsten Tag nicht mehr öffnen dürften. Natürlich hatten wir längst geahnt, dass früher oder später der Erlass käme, aber schlussendlich fühlten wir uns doch überrumpelt. Auf allen Seiten herrschte Unsicherheit; Kund*innen fragten, wie sie denn nun an Lesestoff kämen, die Mitarbeiter*innen hatten Angst um Ihre Stelle und wir als Arbeitgeber fragten uns, wie es denn nun weitergehen soll. Unser großer Vorteil war, dass wir schon lange online aktiv sind und die entsprechenden Kanäle bespielt haben. Es gab also eine Infrastruktur, die wir nun entsprechend bespielen konnten.  Nachdem der „Corona-Schlachtplan“ entwickelt war, konnten wir alle relevanten Informationen auch direkt an einen Großteil der Kund*innen weiterleiten.

Was dann passierte, hat keine*r von uns kommen sehen: Wir wurden überwältigt von einer Bestellflut, die uns alles abverlangt hat. Die einzelnen Bestellungen erreichten uns auf vielfältigen Wegen: Telefonisch, per Email, über WhatsApp, Facebook und Instagram. Es gab aber auch kleine Zettelchen, die unter der Tür durchgeschoben oder ans Fenster geklebt wurden. Von 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr haben wir täglich vier Wochen lang Bestellungen entgegengenommen und bearbeitet. Danach haben wir ausgeliefert und waren dabei mindestens so flexibel wie bei der Bestellannahme. Das Reformhaus und die Apotheke standen als Kooperationspartner zur Verfügung und wir konnten einen Teil der Bücher dort abgeben, so dass die Kund*innen dort abholen konnten. Den Großteil haben wir Zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Longboard und dem Auto angeliefert. Im Umkreis von 28 Kilometern waren wir unterwegs, haben so gut wie alle Straßen gesehen, kennen die Dorfplätze, Kirchen und Fußballplätze. Wir wissen bei vielen Kund*innen nun, wo und wie sie wohnen. Einige Menschen, die uns vorher noch nicht kannten oder noch nicht den Weg zu uns gefunden hatten, wurden nun zu Neukund*innen.  Spätestens jetzt waren wir heilfroh, dass wir einen Onlineshop haben, auf den wir verweisen konnten.

Unser Team ist in dieser herausfordernden Zeit mehrmals bis an die Grenze der Belastbarkeit und darüber hinaus gegangen. Jede*r einzelne hatte mit der Situation zu kämpfen und mit den Veränderungen zurechtkommen. Unter dem Strich steht aber die Erkenntnis, dass wir als Gemeinschaft diesem Tsunami gewachsen waren. Wir wurden nicht weggespült. Es ist schön zu wissen, dass man sich auf die anderen verlassen kann und dass alle mit vereinten Kräften arbeiten. Dieses Gefühl bleibt.

Was ebenfalls bleibt, sind zwei Erkenntnisse:

1.       Wir sind Teil einer Gemeinschaft. Für viele gehören wir ganz selbstverständlich zum Alltag oder sind die Oase inmitten der Hektik. Die Menschen in unserer Umgebung haben uns ins Herz geschlossen und waren dankbar, dass wir alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, um die Versorgung mit Büchern, Puzzles, Spielen und Krimskrams sicherzustellen. Diese Dankbarkeit beruht auf Gegenseitigkeit. Wir brauchen einander und das ist ein wunderschönes Gefühl.

2.       Bücher retten. Vor Langeweile, bei Stress, vor Angst, Ermüdung und vor dem Gefühl, nicht mehr Herr*in der Lage zu sein. Es waren die Bücher, die uns in den Wochen des Social Distancing die Möglichkeit boten, andere Leben zu begleiten oder in andere Gefilde zu entfliehen. Für gestresste Eltern waren es die Bücher, mit denen sie ihre Kinder eine zeitlang beschäftigen konnten und für Senior*innen, die nicht mehr vor die Tür gehen konnten boten sie eine wenig Farbe und Abwechslung im Einerlei der ewig gleichen Tage. Bücher sind gleichzeitig Entschleunigung und Katalysator, sie bringen uns zur Ruhe und i Bewegung. Das haben viele Menschen einmal mehr gespürt.

Corona hat uns durchgeschleudert und hält uns noch immer in Atem. Wir haben aber so viele schöne Momente erlebt, die uns diese Pandemie nie geschenkt worden wären: Liebesbriefe, Ermutigungen, kleine Geschenke und Gespräche mit Tiefgang. Unser 10jähriges Jubiläum ist genau in die Zeit der Schließung gefallen, aber es war für uns einer der schönsten Tage. Rund 20 Kund*innen haben über Nacht unser Schaufenster von außen und den Bürgersteig mit Luftballons, Luftschlangen und vielen Botschaften verziert, die uns tief berührt haben. Wir hatten viel Glück, sind dankbar und würden jetzt einfach gerne wieder weitermachen.

 

 

 

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Tel. : 02273/ 9904022



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